Vom Tanztempel zum Evenz Palast

Die Tische sind festlich eingedeckt, der opulente Kronleuchter wird gerade an die Decke montiert. Die Säulen an den Wänden in Gold-Rost-Optik verströmen eine warme, feierliche Atmosphäre. Im hinteren Bereich warten mit weinrotem Samt bezogene Bänke und ein goldenes Tischchen auf künftige Eheleute, die hier eine Woche vor der Hochzeit ihren „Henna-Abend“ feiern. Zur Hochzeit selbst wird das rot-goldene Ensemble zur Seite gerückt und gegen den in Cremeweiß und Gold gehaltene Brauttisch nebst Bänken ausgetauscht.

Die Eheschließung

feiern können Paare der türkischen Community aus dem Rhein-Main-Gebiet hier mit allem Drum und Dran – Speisen, Getränken, stimmungsvoller Beleuchtung, Musik. Ali Sanli (40) ist der neue Besitzer des früheren „Anton’s Discostadl“-Gebäudes im Bodenheimer Gewerbegebiet. Der Geschäftsmann, der aus der Speditions- und Immobilienbranche kommt, hat das Objekt bei der Zwangsversteigerung ergattert und umgebaut. Er möchte die Halle, die unter dem Namen „Harmony“ firmiert, für Events, Firmenfeiern, Konferenzen, vor allem aber Hochzeiten vermieten. Und er ist für Anfragen von Vereinen offen. „Diese können gern auf uns zukommen, wir wollen auch das Ehrenamt unterstützen“, versichert Sanli.

Seine Ehefrau Eda

hat für die Halle ein Design gewählt, das türkische Traditionen widerspiegelt, trotzdem zeitgemäß und modern ist. Deko, Technik, Beleuchtung sind ausgeklügelt. Im Sanitärbereich sind separate Becken für die Fußwaschung eingebaut, die im Islam vor dem Gebet vorgeschrieben ist. Die beiden Einzelstücke hat Ali Sanli aus der Türkei mitgebracht, „im Flugzeug“, wie er lachend berichtet. Auf dem deutschen Markt gibt es solche Sanitärmöbel nicht. Und in vielen anderen Locations auch nicht. „Da waschen sich die Leute Hände und Füße in ein und demselben Becken – das ist nicht sehr schön“, findet Sanli.

In schickem Grün-Gold

ist das Brautzimmer dekoriert, in dem die frisch Vermählte sich entspannen und noch einmal schminken kann. „Auf dem großen Bildschirm hier oben an der Wand sieht sie trotzdem, was sich im Saal abspielt“, erklärt Sanli. Als er das „Stadl“, das vorübergehend auch eine Spielhalle war, erworben hatte, war die Technik marode, Kabel hingen lose von der Decke, wie er mittels Fotos zeigt. „Wir haben alles erneuert“, erzählt der 40-Jährige. Er hat weit über eine Million Euro in den Erwerb, die Sanierung und den Ankauf von Flächen für die geforderten 213 Parkplätze gesteckt. Satte 28 Monate musste er auf die Bauerlaubnis warten; „dieser Genehmigungsprozess dauerte wirklich sehr lange“, stöhnt er.

Doch das Ganze hat sich gelohnt

– bereits jetzt hat er zehn Anfragen für 2017, darunter ist eine kasachische Hochzeitsgesellschaft. Sanli weist darauf hin, dass er mit seinem Cateringteam in der hauseigenen Küche nicht nur Speisen und Getränke zubereitet und serviert, die islamischen Vorschriften genügen, sondern sich nach den Wünschen der Kunden richtet. „Ich biete auch Schweinfleisch an, arbeite mit einer Mainzer Metzgerei zusammen“, informiert er. „Und wer möchte, bekommt auch Wein.“ „25 Euro plus minus“ müsse ein Gastgeber pro Festbesucher an Kosten einkalkulieren, sagt Sanli. Seine bis zu 20 Bediensteten können maximal 800 Gäste bewirten. „Im Schnitt werden es aber wohl immer so ab 200 aufwärts sein“, schätzt der Geschäftsmann.